St. Martin Bamberg - Bambodo Bamberg

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St. Martin

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326 Jahre waren seit der Grundsteinlegung für das einzige barocke Kirchengebäude Bambergs in der Fußgängerzone am Grünen Markt vergangen, als 2012 die Schäden unübersehbar wurden, die der Zahn der Zeit dem kunsthistorisch bedeutenden Bauwerk zugefügt hat. Fünf Millionen Euro wird die 2014 begonnene Sanierung verschlingen, davon muss die Pfarre 10 % selbst tragen. Ein Förderverein will zumindest die Hälfte des Geldes einsammeln, um den Kreditbedarf in Grenzen zu halten. Das ehrgeizige Ziel: Weihnachten 2017 wird in der renovierten Kirche gefeiert. Die heutige Kirche St. Martin kann man als Nachfolger der Kirche gleichen Namens am Maxplatz sehen, die 1805 abgebrochen wurde. Sie war bei den Bambergern bekannt als die Untere Pfarre, die das Gegenstück zur Oberen Pfarre "Zu unserer Lieben Frau" auf dem Kaulberg bildete. Außer dem Namen und der räumlichen Nähe in der Bürgerstadt haben die beiden Kirchen aber geschichtlich wenig miteinander zu tun. Neben zahlreichen Einrichtungsgegenständen wechselte die Pietá, ein Vesperbild aus dem frühen 14. Jahrhundert, aus der alten Kirche in den rechten Seitenaltar des heutigen St. Martin.


An der Stelle, an der wir heute die Pfarrkirche von Bambergs größter katholischer Gemeinde finden, stand bereits seit 1248 eine Klosterkirche des Karmeliterordens. Ein Grundstückstausch brachte das Areal 1589 in den Besitz des Bistums Bamberg. Das Kloster wurde ab 1611 von Jesuiten bewohnt, die den Platz deutlich modernisierten und 1686 mit dem Bau der heutigen Kirche St. Martin begannen, die zunächst "Zum Heiligsten Namen Jesu" hieß. Der Bau wurde 1693 geweiht, der Turm drei Jahre später fertig gestellt. Bemerkenswert ist die Fassade, ein Entwurf des Baumeisters Georg Dientzenhofer, der aus Prag berufen wurde. Dessen früher Tod war die Chance für seinen Bruder Leonhard, der nicht nur die Fertigstellung der Martinskirche begleitete, sondern darüber hinaus noch zahlreiche weitere Aufträge in Bamberg einsammeln konnte, darunter so prestigeträchtige Bauten wie das Kloster Michelsberg und die Neue Residenz. Im Innern der Kirche ist die Scheinkuppel von Giovanni Francesco Marchini besonders sehenswert. Verschwörungstheorien sind keine Erfindung unserer Zeit. Papst Clemens XIV. ließ auf Druck der Könige in Spanien und Frankreich und nach diversen Angriffen auf die Jesuiten 1773 den Orden aufheben. Das betraf nun nicht nur das Kloster, sondern auch die Universität, die 1803 geschlossen wurde. Die einstige Jesuiten- und Universitätskirche übernahm danach das Patronat der Pfarrkirche St. Martin, und der Bau am Maxplatz wurde kurze Zeit später abgerissen.

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