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Klein Venedig Bamberg - Bambodo Bamberg

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Klein Venedig Bamberg

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Vermutlich waren die beiden Journalisten, die 1842 das "Handbuch für Reisende auf dem Main" herausgaben, zuvor noch nie in Venedig. Sie prägten den Namen Klein Venedig für die mittelalterliche Fischersiedlung am nordöstlichen Ufer der Regnitz, obwohl die Siedlung mit Ursprüngen im 11. Jahrhundert, abgesehen von der Nähe zum Wasser, nun wirklich nichts mit der Architektur Venedigs gemeinsam hat. Das soll aber nicht heißen, die Bamberger Ausgabe der Lagunenstadt sei weniger sehenswert. Ganz im Gegenteil: Die dreißig Fachwerkhäuser, die seit dem 15. und 16. Jahrhundert erhalten sind, haben zur Wasserseite hin liebevoll gepflegte Mini-Gärten und große Holzbalkone, die früher dem Trocknen der Netze dienten. Die Keller sind zum Wasser hin offen und dienten als Bootshäuser für die Schelche, die charakteristischen offenen Boote auf dem Main. Am schönsten erlebt man Klein Venedig von einem der beiden auf der Regnitz verkehrenden Ausflugsschiffe, alternativ bietet auch das andere Ufer gute Aussichts- und Fotopunkte. Für das richtige Venedig-Feeling bietet sich eine individuell zu buchende Fahrt in einer echten venezianischen Gondel für bis zu sechs Personen an.


Dreierlei werden Sie vermissen, wenn Sie das italienische Venedig kennen: Massentourismus, die Tauben und das Hochwasser. Das mit dem Hochwasser war nicht immer so. An den Fischerhäusern findet der aufmerksame Besucher Hochwassermarken, die von wenig angenehmen Zeiten zeugen. Der Fluss gibt, der Fluss nimmt - so lebten die Fischer für viele hundert Jahre. Mittlerweile gibt es vor der Stadt ein Wehr, das bei Hochwasser geschlossen wird und das überschüssige Wasser in definierte Überschwemmungsgebiete am rechten Regnitzarm und den Rhein-Main-Donau-Kanal ableitet. Ein beliebtes Spektakel im Bamberger Klein Venedig ist das alljährliche Fischerstechen. Keine Sorge, der Brauch ist ziemlich nass, aber unblutig und geht für die Nachfahren der Fischer besser aus als für die Fische, die früher im Hafen am Kranen direkt vom Boot verkauft wurden. Beim Fischerstechen geht es darum, die Gegner mit langen (aber glücklicherweise stumpfen) Speeren vom Boot ins Wasser zu stoßen - ein lustiges Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte, ebensowenig wie die italienische Nacht, die in Klein Venedig jedes Jahr zur Zeit der Sandkerwa, hochdeutsch Sandkirchweih, stattfindet. Lassen Sie uns schließlich noch die Verwirrung um die Flüsse Bambergs aufklären: Wie kommt Klein Venedig an der Regnitz in ein Handbuch für Main-Reisende? Der Main mündet hinter Bamberg in die Regnitz. Gemeinerweise heißt der Fluss danach aber nicht mehr Regnitz, sondern Main, obwohl die Regnitz mehr Wasser beisteuert. Da der Main aber mehr Flusskilometer aufweist, gebührt ihm die Ehre.


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