Hexenmahnmal Bamberg - Bambodo Bamberg

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Hexenmahnmal

Am Schloss Geyerswörth in Bamberg erinnert ein Brandmal an die mittelalterliche Hexenverfolgung in der oberfränkischen Stadt. Das Denkmal wird von den meisten Einheimischen und Touristen sehr positiv bewertet. Es hat auch für die gegenwärtige politische Diskussion im Land eine große Bedeutung. Das Bamberger Erzbistum war im 17. Jahrhundert ein Zentrum der Hexen- und Magierverfolgungen. Ihren Gipfel erreichten diese von 1612 bis 1631: Allein in diesen knapp zwei Jahrzehnten schickten die Inquisitoren der Stadt rund 1.000 Frauen, Männer und sogar Kinder nach meist schwerer Folter auf den Scheiterhaufen. Die Stadt schrieb zum Gedenken an diese Gewalttaten einen bundesweiten Wettbewerb aus, den das Essener Künstlerpaar Miriam Gießler und Hubert Sandmann gewann. Ihr Brandmal - eine beeindruckende Lichtinstallation - wurde an der hinteren Seite von Schloss Geyerswörth am 2. August 2015 enthüllt.


Es ist ein Kunstwerk aus Acrylglas und Cor-Ten-Stahl, das zur Aufarbeitung des dunklen Bamberger Kapitels beitragen soll. Schloss Geyerswörth war die damalige Residenz der verantwortlichen Bamberger Bischöfe. Die Initiative und die Finanzierung des Projekts gingen hauptsächlich vom Erzbistum, dem Bürgerverein Bamberg-Mitte, dem Lions-Club Bamberg-Michelsberg und der Oberfrankenstiftung aus. Es handelt sich beim Denkmal um eine 7 x 2 m große rost-stählernde Bodenplatte mit Aussparungen. In diese wurden die orangefarbenen Acrylglasplatten eingelassen, die von unten per LED-Leuchten angestrahlt werden. Bei Nacht entsteht dadurch ein sehr beeindruckendes Bild, denn das ausströmende Licht wirkt wie der Feuerschein von Scheiterhaufen, die damals in der Domstadt brannten. Das Mahnmal gegen die Hexenverfolgung soll neben der Erinnerung an die furchtbare Vergangenheit auch den Finger in die Wunde der aktuellen Intoleranz legen. Darauf verwies Sabine Bauer als Chefin des städtischen Bürgervereins. Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt verstehen das und begrüßen es größtenteils. Die Botschaft lautet: Eine Hexenjagd wie damals in Bamberg hatte die gleichen Wurzeln wie ganz aktuelle Ressentiments, die es zu überwinden gilt. Während diese Aussage unter Bamberger Einwohnern auf einhellige Zustimmung stößt, gibt es naturgemäß kunstkritische Diskussionen über die Umsetzung der Denkmalidee. Das ist legitim und in jedem Fall Geschmackssache. Einigen Befragten erscheint das Mahnmal in der Gestaltung als etwas zu modern, andere hätten sich schlicht eine andere Form wie etwa Stelen gewünscht, die auch bei Tageslicht die nötige Aufmerksamkeit erzeugen. Doch wichtiger erscheint allen Bambergern und ihren Gästen das konsequente Erinnern, das mit weiteren Projekten fortgesetzt werden soll. Einige BürgerInnen der Stadt sprechen inzwischen den Wunsch aus, dass es ein Museum zur Thematik geben sollte.
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