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Am alten Kanal Bamberg - Bambodo Bamberg

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Am alten Kanal Bamberg

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Waren es wirklich genau hundert Schleusen zwischen der Donau bei Kelheim und dem Main bei Bamberg? Oder gab es vielleicht doch die Schleuse 101? Wie auch immer, Bamberg besitzt am südlichsten Zipfel des Welterbe-Gebietes die Schleuse mit der glatten Nummer 100. Und die ist heute noch sehr wichtig, auch wenn der Schifffahrtsweg längst nicht mehr existiert. Schon zur Zeit Karls des Großen hatte es Anläufe gegeben, das schwer zugängliche Frankenland auf dem Wasserweg besser erreichbar zu machen. König Ludwig I. von Bayern startete 1825 den letztlich erfolgreichen Versuch. Die Planungen des königlichen Baurats Heinrich Freiherr von Pechmann standen aber unter keinem guten Stern. Nach dem Baubeginn 1836 brachten Dammbrüche und ein Bauskandal um den Schwarzach-Brückkanal, den man abreißen und neu bauen musste, immer wieder Rückschläge. Meinungsverschiedenheiten zwischen Pechmann und dem Vorstand der Obersten Baubehörde wurden so gelöst, wie man auch heute verfahren würde: Freiherr von Pechmann wurde 1843 in den Ruhestand versetzt.



An einer Entwicklung ist der glücklose Pechmann fraglos unschuldig, nämlich der Konkurrenz für den Kanal durch die sich rasant ausbreitende Eisenbahn. Fast vor der Haustür, zwischen Nürnberg und Fürth, fuhr 1835 der erste Dampfzug in Deutschland. Und Schienen sind fraglos leichter zu verlegen als ein Wasserweg. Allen Widrigkeiten zum Trotz wurde der Ludwig-Kanal 1843 feierlich eröffnet. Dass er noch nicht ganz fertig war, störte nicht. Erst 1846 war die Gesamtstrecke von Kelheim nach Nürnberg durchgängig schiffbar. Von der Donau ging es zunächst 80 Meter hinauf, dann zum Main 184 Meter hinunter. Auf den 172 Kilometern bis Bamberg waren 100 handbediente Schleusen zu passieren. Erstaunlicherweise fuhr die Kanalgesellschaft nach anfänglichen Verlusten seit 1850 sogar Gewinne ein. Erst 1863 wendete sich das Blatt, denn um konkurrenzfähig zu sein, mussten die Nutzungsgebühren immer weiter gesenkt werden. Außerdem war der Kanal für die modernen Schiffe schlichtweg zu schmal. Während die Kanalbetreiber Millionenverluste aufhäuften, freute sich die Bevölkerung über ein idyllisches Naherholungsgebiet am Wasser. Die scherzhaft „Schlagrahmdampfer“ genannten Personenschiffe fuhren für kleines Geld die Ausflügler zu Kaffee und Kuchen in Gaststätten am Kanal. Den Niedergang des Ludwig-Kanals konnte das nicht aufhalten. Nach schweren Kriegsschäden wurde der Alte Kanal, wie er nun hieß, 1950 aufgegeben, teilweise trocken gelegt, abgetragen und überbaut. Die Autobahn 73 nutzt heute Teile der Trasse. Vorhandene Reste des Alten Kanals stehen unter Denkmalschutz, so auch die Schleuse 100 mit dem idyllischen Schleusenwärterhaus. Die Schleuse ist für Sportboote und Kanus weiterhin aktiv und regelt zudem den Wasserstand im linken Pegnitzarm. Überschwemmungen, wie sie in früheren Jahrhunderten besonders das Mühlenviertel heimsuchten, gehören damit der Vergangenheit an.Ach ja, das Rätsel um Schleuse 101 ist noch aufzulösen. Sie wird in einigen Quellen erwähnt und soll die Weiterfahrt von Kanalschiffen auf der Regnitz bis nach Bischberg, nordwestlich von Bamberg, ermöglicht haben. Aber lassen wir den Bambergern doch ihre Schleuse 100 als Endpunkt des Alten Kanals. Ein romantisches Plätzchen mit Blick auf die Villa Concordia ist sie allemal.


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